Nachhaltige Ernährung für alle – Studie zeigt, wie Solidarische Landwirtschaft sozial gerecht sein könnte

03. April 2026

Eine aktuelle Studie von Prof.in (FH) Dr.in Birgit Teufer, BSc BA MA, und Ing.in Vivien Marx, BA MA, untersucht anhand von Befragungen in Österreich und Deutschland, wie solidarische Landwirtschaft durch passende Fördermodelle und gezielte Kommunikation für einkommensschwache Haushalte zugänglicher werden kann.

Moderne Ernährungssysteme, mit ihrem Fokus auf verarbeitete Lebensmittel, Salz Zucker und Fette, stehen zunehmend in der Kritik – sowohl aus gesundheitlicher und ökologischer, aber auch aus sozialer Sicht. Eine aktuelle Publikation des Instituts für Wirtschaft & Psychologie widmet sich daher der Frage, wie alternative Modelle, wie beispielsweise Solidarische Landwirtschaft, breiter zugänglich gemacht werden können.

Im Zentrum der Untersuchung steht Community Supported Agriculture (CSA), ein Ansatz, bei dem Konsumentinnen und Konsumenten landwirtschaftliche Betriebe direkt unterstützen und im Gegenzug Ernteanteile erhalten. Community Supported Agriculture (CSA) bzw. auf Deutsch Solidarische Landwirtschaft, gilt als vielversprechendes Modell für ein nachhaltigeres Ernährungssystem. In der Praxis bleibt der Zugang jedoch oft auf bestimmte Bevölkerungsgruppen beschränkt – insbesondere für einkommensschwache Haushalte ist die Teilnahme nach wie vor schwierig.

Die finanzielle Hürde überwinden

Internationale Studien zeigen, dass der Preis der größte Hinderungsgrund ist. Doch wie kann man diese Hürde überwinden? Die Studie basiert auf Befragungen von Personen aus Österreich und Deutschland. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Eine öffentliche Förderung der Ernteanteile (beispielsweise durch die Gemeinde) wird deutlich bevorzugt. Sie wird nicht nur als fair wahrgenommen, sondern vermeidet auch Stigmatisierung und stärkt das Vertrauen in das Modell sowie die regionale Verbundenheit. Die in internationalen Studien propagierten interne Umverteilungsmechanismen innerhalb der CSA – indem z. B. Menschen mit mehr Einkommen freiwillig oder automatisch einen höheren Preis zahlen – sind hingegen weniger beliebt. Vivien Marx dazu: „Unsere Studie macht deutlich, dass öffentliche Förderung nicht nur finanziell hilft, sondern auch der bevorzugte Weg der einkommensschwachen Zielgruppe ist, die offensichtlich nicht will, dass andere Personen, auch wenn sie mehr verdienen, mehr für die gleiche Leistung zahlen sollten.“

Vertrauen durch Kommunikation

Neben finanziellen Aspekten spielt die Kommunikation eine zentrale Rolle. Um neue Zielgruppen zu erreichen, braucht es transparente und verständliche Informationen. Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind entscheidend, insbesondere bei Menschen, die bisher wenig Berührungspunkte mit CSA hatten.

Gleichzeitig hebt Birgit Teufer die übergeordnete Bedeutung der Ergebnisse hervor: Die Publikation zeige, „dass alternative Ernährungssysteme wie CSA nicht nur ökologisch sinnvoll sind, sondern auch sozial gerechter gestaltet werden können – wenn wir die Perspektive derjenigen ernst nehmen, die davon profitieren sollen“. Für die FERNFH sei dies „ein wichtiger Beitrag zur Forschung an der Schnittstelle von Nachhaltigkeit, Gesundheit und sozialer Gerechtigkeit“.

Die Ergebnisse zeigen, dass nachhaltige Ernährungssysteme nicht nur gesundheitlich, sondern auch sozial relevant sein können, wenn soziale Gerechtigkeit mitgedacht wird. Damit liefert die Studie wichtige Impulse für Forschung, Praxis und Politik.

Der Artikel zur Studie, publiziert im Dezember 2025, im Magazin Frontiers in Sustainable Food Systems:
https://www.frontiersin.org/journals/sustainable-food-systems/articles/10.3389/fsufs.2025.1693633/full