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Titelbild Newsbeitrag mit Birgit Teufer

Nachhaltiger Konsum: Was FoodCoops leisten können und wo ihre Grenzen liegen

14. Oktober 2026

FoodCoops fördern nachhaltige Konsumpraktiken, vermitteln Wissen und stärken soziale Beziehungen. Doch freiwilliges Engagement allein reicht nicht aus, um strukturelle Herausforderungen zu überwinden. Eine vierjährige Studie von Prof.in (FH) Dr.in Birgit Teufer von der Ferdinand Porsche FERNFH untersucht das Potenzial und die Grenzen gemeinschaftlicher Lebensmittelversorgung am Beispiel der Kremser FoodCoop Krekoodel.

FoodCoops gelten als Beispiel dafür, wie Lebensmittelversorgung regionaler, gemeinschaftlicher und nachhaltiger organisiert werden kann. Doch was bewirken solche Initiativen tatsächlich bei ihren Mitgliedern, bei Produzent*innen und darüber hinaus? Eine neue Studie von Prof.in (FH) Dr.in Birgit Teufer, Leiterin des Instituts für Wirtschaft & Psychologie der Ferdinand Porsche FERNFH, zeigt: FoodCoops können nachhaltige Konsumpraktiken, Lernen und soziale Beziehungen fördern. Gleichzeitig stoßen sie im Alltag auf strukturelle Grenzen, die sich durch Engagement allein nicht überwinden lassen.

Für die Studie „Sustainability practices and structural constraints in an Austrian FoodCoop explored through participatory action research“, erschienen im Fachjournal Discover Sustainability, begleitete Birgit Teufer die Kremser FoodCoop Krekoodel über vier Jahre im Rahmen eines Participatory-Action-Research-Projekts. Befragungen von Mitgliedern und Produzent*innen wurden mit Interviews, Beobachtungen und Dokumentenanalysen verbunden.

Mehr als nur anders einkaufen

Die Ergebnisse zeigen, dass die Wirkung einer FoodCoop weit über die Auswahl regionaler oder nachhaltig produzierter Lebensmittel hinausgehen kann. Mitglieder berichteten unter anderem von einem stärkeren Bewusstsein dafür, woher ihre Lebensmittel kommen, einer bewussteren Einkaufs- und Essensplanung und neuen Kenntnissen über Selbstorganisation und gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse.

Auch soziale Beziehungen spielen eine wichtige Rolle. Der direkte Kontakt zwischen Konsumentinnen und regionalen Produzentinnen kann Vertrauen und Wertschätzung stärken. Produzent*innen schätzen unter anderem die Möglichkeit, ihre Produkte direkt an Menschen zu verkaufen, die ähnliche Vorstellungen von nachhaltiger Lebensmittelproduktion teilen. „FoodCoops sind nicht nur ein alternativer Einkaufsort. Sie können zu Lernräumen werden, in denen Menschen ganz praktisch erfahren, wie Lebensmittelversorgung auch anders organisiert werden kann“, erklärt Birgit Teufer.

Zwischen Mitbestimmung und freiwilliger Arbeit

Die Studie zeigt allerdings ebenso deutlich die Grenzen dieses Modells. Eine selbstorganisierte FoodCoop ist auf aktive Beteiligung angewiesen und damit auf Zeit und freiwillige Arbeit. Demokratische Strukturen schaffen zwar Möglichkeiten zur Mitbestimmung, in der Praxis beteiligt sich aber nicht jedes Mitglied im gleichen Ausmaß.

Auch aus Sicht der Produzent*innen bestehen Herausforderungen. Kleine und teilweise unregelmäßige Bestellmengen sowie der damit verbundene Koordinationsaufwand erschweren es, FoodCoops als wirtschaftlich relevanten Hauptvertriebsweg zu nutzen.

Damit zeigt die Untersuchung eine zentrale Spannung: Gerade jene Eigenschaften, die FoodCoops auszeichnen, wie Selbstorganisation, Freiwilligkeit und direkte Beziehungen, können gleichzeitig ihre Reichweite und Stabilität begrenzen.

Transformation muss nicht immer Wachstum bedeuten

Das bedeutet jedoch nicht, dass solche Initiativen gesellschaftlich unbedeutend sind. Ihre Wirkung sollte laut der Studie nicht allein daran gemessen werden, wie viele Menschen sie erreichen oder wie groß ihr Marktanteil ist. FoodCoops können vielmehr als „Communities of Practice“ wirken: als Orte, an denen nachhaltige Praktiken ausprobiert, Wissen weitergegeben und alternative Formen wirtschaftlicher und sozialer Beziehungen erfahrbar werden. Veränderung kann dabei auch über die einzelne Organisation hinaus entstehen, etwa wenn Erfahrungen weitergetragen, neue Initiativen gegründet oder Praktiken von anderen übernommen werden.

„Eine FoodCoop wird nicht das Ernährungssystem im Alleingang verändern“, so Birgit Teufer, „aber sie kann zeigen, welche anderen Formen des Wirtschaftens und Zusammenarbeitens möglich sind und ebenso sichtbar machen, welche Rahmenbedingungen solche Alternativen derzeit begrenzen.“ Die Ergebnisse sprechen daher auch für eine stärkere institutionelle Unterstützung zivilgesellschaftlicher Lebensmittelinitiativen. Flexible Fördermöglichkeiten, gemeinsam nutzbare Infrastruktur und Logistik, niederschwellige Beteiligungsformen sowie eine stärkere Einbindung in regionale Nachhaltigkeitsstrategien könnten dazu beitragen, ihr Potenzial besser zu nutzen.

Publikation

Teufer, B. (2026). Sustainability practices and structural constraints in an Austrian FoodCoop explored through participatory action research. Discover Sustainability, 7, 1683.
Der Artikel ist Open Access verfügbar: https://link.springer.com/article/10.1007/s43621-026-04032-9

Rückfragen zum Forschungspaper an birgit.teufer@fernfh.ac.at.