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Selbstständig altern: Was gerontologische Prävention wirklich bedeutet
Was bedeutet Prävention, wenn Krankheiten längst da sind? Wie lässt sich Selbstständigkeit im Alter wirklich erhalten? Und wo liegen die größten Schwachstellen im heutigen Versorgungssystem? Mit diesen Fragen befasste sich Univ.-Prof. Dr. Thomas E. Dorner im Gastvortrag zur gerontologischen Prävention des Bachelorstudiengangs Aging Services Management am 28. April 2026.
Gerontologische Prävention ist ein Begriff, der noch wenig bekannt ist – und genau darin liegt seine Relevanz. Denn während Prävention bei jüngeren Menschen vor allem auf die Vermeidung von Krankheiten abzielt, verschieben sich die Ziele im Alter deutlich: Im Mittelpunkt stehen Selbstständigkeit, Lebensqualität und soziale Teilhabe. Genau damit befasste sich der Gastvortrag „Gerontologische Prävention: Autonomie sichern, Lebensqualität erhalten, Versorgung gewährleisten“, den der Bachelorstudiengang Aging Services Management organisierte und der von Studiengangsleiterin Prof.in (FH) MMag.a Tanja Adamcik moderiert wurde.
Univ.-Prof. Dr. Thomas E. Dorner entwickelt für den Bereich der gerontologischen Prävention ein Drei-Ebenen-Modell, das er auch im Vortrag detailliert vorstellte: Es reicht von der Verhinderung erster Alltagseinschränkungen über die Sicherung des Verbleibs im eigenen Zuhause bis hin zur qualitätsvollen institutionellen Versorgung.
Die wichtigsten Faktoren für gesundes Altern
Was gesundes Altern begünstigt, lässt sich laut Dorner auf vier gut belegte Faktoren reduzieren: körperliche Aktivität, Sinnhaftigkeit, soziales Kapital und Ernährung. Keiner davon ist eine Hightech-Lösung. Körperliches Training gilt dabei als einer der wirksamsten Faktoren, auch in der Demenzprävention. Sinnhaftigkeit, verstanden als das Gefühl, dass das eigene Leben bedeutsam und gestaltbar ist, spielt eine ebenso zentrale Rolle. Soziale Einbindung und eine ausgewogene Ernährung runden das Bild ab. Der Vortragende betont, dass Ernährung im geriatrischen Kontext oft unterschätzt wird, in der allgemeinen Gesundheitsförderung hingegen häufig überschätzt wird.
Kritisch setzt sich Univ.-Prof. Dr. Thomas E. Dorner auch mit dem österreichischen Versorgungssystem auseinander: Zu viel geriatrische Versorgung findet nach wie vor im Akutspital statt, obwohl dies für ältere Menschen ohne akute Erkrankung aus seiner Sicht der ungeeignetste Ort ist. Er plädiert daher für mehr integrierte Versorgungsmodelle im Alter, die medizinische, pflegerische und soziale Bedarfe gemeinsam denken.
In der anschließenden Diskussion drehten sich die Fragen der Teilnehmenden unter anderem darum, wo die größten Hürden bei der frühzeitigen Verankerung von Prävention liegen, ob und wie Sinnhaftigkeit im Alter wiedergefunden werden kann und welche Rolle die moderne Ernährung als Risikofaktor spielt. Moderatorin und Studiengangsleiterin Prof.in (FH) MMag.a Tanja Adamcik griff einen Gedanken auf, der den Abend gut zusammenfasst: Sinnhaftigkeit ist nicht nur ein Thema für ältere Menschen selbst, sondern ebenso für jene, die in der Versorgung arbeiten. Wer das große Ganze sieht, bleibt motiviert, und genau das braucht ein gutes Versorgungssystem.
Das Key Learning des Abends: Die wirksamsten Faktoren für gesundes Altern sind keine Hightech-Lösungen, sondern grundlegende menschliche Bedürfnisse, die mit dem richtigen Ansatz auch im hohen Alter gestärkt werden können.
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Über den Vortragenden

Thomas E. Dorner ist Leiter der Akademie für Altersforschung am Haus der Barmherzigkeit und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin am Zentrum für Public Health der MedUni Wien. Er gründete das Karl Landsteiner Institut für Gesundheitsförderungsforschung und war viele Jahre Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Public Health und im Vorstand der European Public Health Association.








