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Nachhaltigkeit im Sozial- und Gesundheitswesen: Zwischen sozialer Verantwortung und Wirtschaftlichkeit
Wie lässt sich Nachhaltigkeit in einer großen sozialen Organisation konkret umsetzen, wenn Preise und Rahmenbedingungen weitgehend vorgegeben sind? Bei einem Online-Gastvortrag zum Thema „Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen – verschiedene Aspekte“ im Masterstudiengang Digitales Gesundheitsmanagement der Ferdinand Porsche FERNFH zeigte Mag. Christoph Gleirscher, MA, Geschäftsführer des Hilfswerks Niederösterreich, anhand konkreter Praxisbeispiele, wie ökologische Ziele, soziale Verantwortung und Wirtschaftlichkeit im Alltag aufeinandertreffen.
Nachhaltigkeit ist mehr als Klimaschutz. Gerade im Gesundheits- und Sozialwesen gilt es, ökologische Verantwortung, soziale Bedürfnisse und wirtschaftliche Rahmenbedingungen miteinander zu verbinden. Wie sich dieses Spannungsfeld in der Praxis zeigt, erläuterte Mag. Christoph Gleirscher am 7. Oktober anhand konkreter Beispiele aus dem Hilfswerk Niederösterreich, dessen Geschäftsführer er seit 2012 ist. Moderiert wurde der Gastvortrag von Mag. Dr. Lukas Küster, Lehrender und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Masterstudiengang Digitales Gesundheitsmanagement.
Das Hilfswerk Niederösterreich ist mit einem Marktanteil von über 43 Prozent der größte Anbieter mobiler Pflege in Niederösterreich. Die Organisation betreut mehr als 20.000 Kund*innen und beschäftigt rund 2.800 Mitarbeiter*innen an etwa 60 Standorten. Ihr Leistungsspektrum reicht von Pflege und Betreuung über Kinderbetreuung bis hin zu Familienunterstützung und Beratung.
Nachhaltigkeit zwischen Anspruch und Alltag
Die Umsetzung ökologischer Ziele hängt stark von den wirtschaftlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen ab. So entstehen in der Pflege durch Hygiene- und Inkontinenzprodukte beispielsweise große Abfallmengen. Gleichzeitig sind diese für eine bedarfsgerechte Versorgung notwendig. Zudem orientieren sich die Kostenträger laut Gleirscher bei der Genehmigung in der Regel am günstigsten Produkt.
Auch bei Gebäuden und Mobilität bestehen Einschränkungen: Rund 85 Prozent der Gebäude sind angemietet, wodurch energetische Verbesserungen nur begrenzt selbst umgesetzt werden können. Die Fahrzeugflotte umfasst rund 1.500 Fahrzeuge, überwiegend kleinere Benziner. Elektroautos befinden sich bislang nur vereinzelt im Testbetrieb. Herausforderungen ergeben sich dabei insbesondere durch fehlende Lademöglichkeiten am Wohnort der Mitarbeiter*innen und die Anforderungen der täglichen Tourenplanung.
Das Hilfswerk hat sich mit den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) und einer Wesentlichkeitsanalyse auseinandergesetzt und führt interne Kennzahlen freiwillig weiter. Nachhaltigkeit versteht die Organisation damit als fortlaufenden Prozess, der realistische Ziele und ein Verständnis der eigenen Handlungsspielräume erfordert.
Digitalisierung als Unterstützung
Digitale Lösungen können Ressourcen sparen und Abläufe vereinfachen. Eine Online-Anmeldung für die Kinderbetreuung kann pro Semester rund 3.500 Papierbögen einsparen. Zudem führt das Hilfswerk die elektronische Pflegedokumentation schrittweise über etwa drei Jahre ein. Entscheidend ist, dass digitale Anwendungen die Mitarbeiter*innen im Alltag unterstützen und keine zusätzlichen Hürden schaffen.
Auch künstliche Intelligenz kommt zum Einsatz: Das Hilfswerk erprobt eine KI-Assistentin namens „Anna“, die Kund*innenanrufe entgegennimmt und beispielsweise Terminverschiebungen abklärt. Transparenz und die Möglichkeit, an eine menschliche Ansprechperson weitergeleitet zu werden, stehen dabei im Mittelpunkt. Die KI soll unterstützen, nicht ersetzen.
Nachhaltigkeit braucht ein Verständnis für die Praxis
In der anschließenden Diskussion standen die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen, die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter*innen und die erforderlichen Kompetenzen für das Management sozialer Organisationen im Mittelpunkt.
Gleirscher betonte, dass nachhaltige Veränderungen ein fundiertes Verständnis des jeweiligen Geschäftsmodells voraussetzen. Verantwortliche müssen neben dem ökologischen und sozialen Nutzen auch die organisatorischen und finanziellen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Ebenso wichtig sind Prozessverständnis, Empathie und die Fähigkeit, Lösungen an den Bedürfnissen der Menschen auszurichten.
Der Gastvortrag zeigte: Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen gelingt, wenn ökologische Ziele, soziale Verantwortung und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammenspielen. Dafür braucht es langfristiges Denken und ein realistisches Verständnis der praktischen Handlungsmöglichkeiten.

Christoph Gleirscher ist seit 2012 Geschäftsführer des Hilfswerks Niederösterreich. In dieser Funktion setzt er sich mit der Frage auseinander, wie soziale Verantwortung, ökologische Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Anforderungen miteinander verbunden werden können. Dabei bringt er seine langjährige Erfahrung im Sozialbereich sowie seine Perspektive als Führungskraft einer großen Sozialorganisation ein.









