
Wenn Klimaschutz greifbar wird: CoClimA bei der Langen Nacht der Forschung 2026
Inhaltsverzeichnis:
Aha-Momente, spannende Gespräche und überraschende Perspektiven: FERNFH-Mitarbeiterinnen zeigen bei der Langen Nacht der Forschung 2026 an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) in St. Pölten, wie Klimaschutz im Alltag erlebbar wird, warum wir gemeinsam mehr bewirken und wie Citizen Science zur Förderung von Klimaschutz beitragen kann.
Am KPH Campus St. Pölten in Niederösterreich war das CoClimA-Projektteam am 24.04.2026 mittendrin im Geschehen, als bei der Langen Nacht der Forschung in ganz Österreich Wissenschaft wieder hautnah erlebbar wurde. Über 192.000 Besucher*innen nutzten landesweit die Gelegenheit, bei freiem Eintritt einen Abend lang Forschung in all ihren Facetten zu entdecken. Bereits zum zwölften Mal ging die Veranstaltung erfolgreich über die Bühne – ein starkes Zeichen für das große Interesse an Wissenschaft und Innovation in Österreich.
Auch an der KPH war einiges los: Rund 200 interessierte Besucher*innen informierten sich über die vielfältigen Projekte vor Ort. Auch ein Projektteam der Ferdinand Porsche FERNFH war mit einer Station vertreten. Besucher*innen kamen mit Projektleiterin Birgit Teufer und Projektmitarbeiterin Katharina Glöckel über das Citizen-Science-Forschungsprojekt „CoClimA“ ins Gespräch, tauschten sich zum Thema Klimawandel aus und diskutierten konkrete Ansätze für klimafreundliches Verhalten im Alltag.
Klimawaage als Publikumsmagnet
Der klare Eyecatcher der Station: die selbstgebastelten Klimawaagen, inspiriert vom Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum. Mit den mit Sand gefüllten Dosen wurden CO₂-Einsparungen sichtbar und vor allem spürbar. Durch das anschauliche Beispiel für Klimaschutz im Alltag wurden abstrakte Zahlen greifbar.
So wurden Vergleiche verschiedenster Alltagsentscheidungen und -handlungen möglich – und im wahrsten Sinne des Wortes „erlebbar“. Was bedeutet es beispielsweise für den CO₂-Fußabdruck, einmal im Jahr auf einen Flug zu verzichten, im Vergleich dazu, täglich mit den Öffis zur Arbeit zu fahren? Oder welchen Unterschied macht es für die persönliche Klimabilanz, wenn Menschen öfter auf Fleisch, Wurst oder andere tierische Produkte verzichten? Die Klimawaage lieferte darauf unmittelbare, haptische Antworten, und genau dadurch entstanden Gespräche, Aha-Momente und oft auch ein überraschtes: „Das hätte ich nicht gedacht.“


CoClimA: Mehr als einzelne Entscheidungen
Die Klimawaage diente als Einstieg in das Citizen-Science-Projekt CoClimA und eine zentrale Frage: Wie entstehen klimafreundliche soziale Normen, und wie lassen sie sich in der Gemeinschaft verändern, um nachhaltigen Klimaschutz zu fördern?
Das Projekt zeigt: Klimaschutz ist keine rein individuelle Aufgabe. Gemeinschaften verstärken Wirkung. Vereine und Organisationen prägen Verhalten. Und soziale Normen beeinflussen maßgeblich, welche Entscheidungen wir treffen und welche nicht. Der Beitrag einzelner ist wichtig. Doch erst im Zusammenspiel vieler entsteht Veränderung auf Systemebene.
CoClimA greift genau diesen Gedanken auf und macht ihn praktisch erfahrbar: Menschen werden nicht nur informiert, sondern aktiv als Citizen Scientists in den Forschungsprozess eingebunden.
Citizen Science zum Anfassen
Citizen Science bedeutet bei CoClimA mehr als nur Mitmachen: Bürger*innen werden aktiv Teil von Forschung, gestalten Maßnahmen mit und tragen sie in ihre Gemeinschaft weiter. Sie bringen ihre Perspektiven, Erfahrungen und Ideen ein und machen Forschung dadurch alltagsnah und wirksam. Genau das wurde bei der Langen Nacht der Forschung sichtbar.
Neben der Klimawaage konnten Besucher*innen:
- erfahren, was Citizen Scientists konkret tun
- Maßnahmen aus teilnehmenden Vereinen und Organisationen entdecken
- für ihre Favoriten abstimmen
- eigene klimafreundliche Ideen einbringen

Interventionen aus der Praxis
Ein besonderer Fokus lag bei der FERNFH-Station auf den konkreten Maßnahmen und Aktionen, die im Projekt gemeinsam mit Vereinen und Organisationen entwickelt und bereits im Alltag erprobt werden. Sie zeigen, wie vielfältig klimafreundliches Verhalten aussehen kann, und wie es sich in bestehende Strukturen integrieren lässt.
Dazu zählen unter anderem:
- gemeinsame Kochkurse und Impulse rund um Ernährung
- Klima-Spieleabende
- einfache Mobilitäts-Trackings im Vereinsalltag (Stricherlliste)
- kreative Anreize für klimafreundliche Anreise (Stempelpass)
- Nähkurse
- und noch viel mehr …
Die Besucher*innen konnten diese Ansätze nicht nur kennenlernen, sondern auch bewerten und eigene Ideen ergänzen. Das hat einmal mehr gezeigt, wie viel Innovationskraft in Gemeinschaften steckt.
Der eigene Alltag im Fokus: der CoClimA Online-Test
Ergänzend zur Klimawaage und den Interventionen konnten Besucher*innen direkt vor Ort einen Online-Klima-Test ausprobieren. In weniger als einer Minute lässt sich damit herausfinden, in welchen Bereichen des eigenen Alltags – etwa Mobilität, Ernährung oder Konsum – noch Potenzial für klimafreundlichere Entscheidungen liegt.
Der Test bietet einen einfachen, niederschwelligen Einstieg und macht sichtbar, wo bereits kleine Veränderungen einen Unterschied machen können.
Ins Gespräch kommen – auch bei unterschiedlichen Meinungen
Ein weiteres Element der Station waren die CoClimA-Gesprächskärtchen: kleine Impulse, die dabei unterstützen, über Klimaschutz ins Gespräch zu kommen, und das auch mit Menschen, die dem Thema kritisch gegenüberstehen.
Ausgehend von typischen Aussagen wie „Das Klima hat sich doch immer schon verändert“ oder „Klimaschutz ist zu teuer“ greifen die Kärtchen häufige Argumente auf und verbinden sie mit kurzen Fakten und offenen Gesprächsfragen. So entsteht kein Schlagabtausch, sondern ein Dialog auf Augenhöhe.
Die Kärtchen wurden vor Ort gerne durchgeblättert, diskutiert und als hilfreiches Werkzeug wahrgenommen – gerade, weil sie Sicherheit im Umgang mit herausfordernden Gesprächen geben. Die Gesprächskärtchen stehen auch als PDF zum Download zur Verfügung und können gerne in das nächste Gespräch mitgenommen werden.


Begegnungen, die bleiben
Besonders eindrücklich waren die vielen unterschiedlichen Begegnungen und das Fazit: Begeisterung kennt kein Alter.
Viele Kinder haben sich mit großer Euphorie eingebracht und dabei ganz eigene Ideen entwickelt: Kurzerhand wurden die Dosen der Klimawaage zu kleinen „Klima-Pyramiden“ gestapelt. Mit viel Eifer wurde ausprobiert, verglichen und gestaunt, Begriffe wurden entschlüsselt und Zusammenhänge entdeckt. Genau diese Neugier ist so wertvoll, denn genau hier beginnt langfristige Veränderung.
Gleichzeitig entstanden auch spannende Gespräche mit älteren Besucher*innen. Viele erzählten davon, wie selbstverständlich es früher war, Dinge zu reparieren, statt etwas Neues zu kaufen und wie sich Konsumgewohnheiten im Laufe der Zeit verändert haben.
Es gab viele neugierige Fragen, ehrliche Reflexion, neue Perspektiven und viele kleine Impulse. Das CoClimA-Team nimmt viele Eindrücke und Ideen mit in die weitere Arbeit und wurde vor allem in ihrem Ansatz bestätigt: Menschen einbinden. Gemeinsam gestalten. Wirkung entfalten. Einmal mehr hat sich gezeigt, wie wichtig niederschwellige Zugänge sind und wie viel Potenzial darin steckt, Menschen genau dort abzuholen, wo sie stehen.

Das Forschungsprojekt CoClimA – Gemeinschaften Klimabündnis der FERNFH untersucht, wie gemeinschaftliches Engagement klimafreundliches Verhalten in Regionen beeinflusst.
Du hast Fragen an das Projektteam? Melde dich gerne unter coclima@fernfh.ac.at
Detailinfos findest du auf der Projektseite: https://www.fernfh.ac.at/coclima


